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Ressourcenschutz im Betrieb: Schritt 2

Auf dem Tisch liegen ein Eierkarton, Becher Holzbesteck und eine PapiertüteQuelle: freepik

Abfallminimierung und Zero-Waste-Prinzipien

Die Tourismusbranche steht vor der Herausforderung, ihre Umweltbelastung zu reduzieren – ein zentrales Handlungsfeld ist dabei das Abfallmanagement. “Zero-Waste” heißt, Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen und Ressourcen durch Wiederverwendung, Reparatur, Recycling und Kompostierung so lange wie möglich im Umlauf zu halten.

Neben dem ökologischen Nutzen bietet Zero Waste auch wirtschaftliche Vorteile: geringere Entsorgungskosten, weniger Materialbedarf, und ein klares Nachhaltigkeitssignal – besonders attraktiv für umweltbewusste Gäste.

In der Praxis bedeutet Zero Waste im Tourismus unter anderem Verzicht auf Einwegprodukte, die Förderung von Recycling und die Nutzung nachhaltiger Materialien. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Attraktivität von Reisezielen zu bewahren und gleichzeitig die Abhängigkeit von Gütern und Materialien zu verringern.

  • Identifizieren Sie die Schritte, mit denen die Abfallreduzierung in Ihrem Betrieb maximiert werden kann. Die “Entscheidungsbäume für Einwegplastik-Produkte” von Futouris führen durch verschiedene Entscheidungsszenarien, die der Hierarchie zur Abfallreduzierung folgen und Ihrem Unternehmen bei der Identifizierung helfen können.
  • Machen Sie einen Plan, wie Sie Lebensmittelabfälle reduzieren können. Der Verein United Against Waste bietet Ressourcen und erarbeitet mit der Food Branche Lösungen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung, inkl. Food Waste Rechner und Food Save App mit einfachen Lösungsvorschlägen.
  • Zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen gibt es neben dem Kompostieren noch die Möglichkeit, sich mit dem Unternehmen an Food-Sharing-Programmen zu beteiligen, wie foodsharing oder auch der App too good to go. Um Verpackungs- und Lebensmittelabfall zu vermeiden, bieten sie recyclebare Verpackungen zum Mitnehmen der Essensreste an. Auf diese Weise können überschüssige Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen oder Privatpersonen weitergegeben werden.
  • Kommunizieren Sie Ihr Engagement auch nach außen. Gerade die Vermeidung von Müll ist ein anschauliches und wirksames Beispiel, das von Gästen und Mitarbeitenden gut verstanden und mitgelebt wird. Veranstalten Sie zum Beispiel eine Mitarbeiter-Challenge für „Eine Woche ohne Müll“ oder laden Sie begeisternde Persönlichkeiten oder NGOs ein, um den Ansatz mit Freude zu vermitteln. Schauen Sie sich z.B. die Kommunikation von „Jenichen – Fröhlich Unverpackt einkaufen“ aus Jena an.
  • Das Hotel 1601 in Treffurt wurde für seine Bemühungen zum Thüringer Tourismuspreis 2023 nominiert. Zu den Abfallminimierungsmaßnahmen zählen unter anderem der Verzicht auf Kosmetikprodukte in den Zimmern, der Verzicht auf portionierte Lebensmittel(-verpackungen) beim Frühstücksbuffet und die Nutzung von Mehrwegflaschen für alle Getränke. 
  • Das Biohotel Haus am Watt in Dithmarschen in Schleswig-Holstein verfolgt in seiner Küche die „No Waste“-Philosophie. Um Küchenabfälle zu vermeiden, werden Reste einfach wiederverwertet. So wird z.B. das Ofengemüse vom Abend am nächsten Tag zu einem Aufstrich verarbeitet, oder morgendlicher Getreidebrei zu Brötchen oder Bratlingen. Reste von den Tellern der Gäste landen oft auf den Tellern der Hühner.
  • Der RuhrtalRadweg wurde zum ersten leitungswasserfreundlichen Radfernweg Deutschlands. Über 100 Trinkbrunnen, Wasserspender und Refill-Stationen wurden mit Hilfe des gemeinnützigen Vereins a tip: tap e.V. entlang des Radwegs eingerichtet. Nun können Radfahrende alle 10-15km ihre Trinkflaschen an Brunnen oder bei GastgeberInnen auffüllen.

Lösungen zur Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft verfolgt das Ziel, dass Materialien und Produkte möglichst lange nutzbar bleiben – durch Teilen, Leasen, Wiederverwenden, Reparieren und Recycling. Auf diese Weise wird die Lebensdauer von Produkten verlängert, der Ressourcenverbrauch gesenkt und Abfall vermieden.

In der Praxis heißt das, beispielsweise die Produkte zurückzunehmen und wieder aufzubereiten; Reparatur-Cafés und Anleitungen zur Selbstreparatur von Geräten; und Digitale Plattformen für Gebrauchtwarenhandel und Produkt-Sharing.

Auch im Tourismus gewinnt Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung, denn damit werden nicht nur ökologische Vorteile erzeugt, sondern auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

  • Denken Sie statt an die typischen 3 R’s (“Reduce, Reuse, Recycle”) der Abfallreduzierung an die 9 R’s der Kreislaufwirtschaft.
    • Produkte einsparen oder klüger nutzen & herstellen: REFUSE (verweigern: Produkt überflüssig machen oder Funktion anders bereitstellen), RETHINK (umdenken: Produktnutzung intensivieren z.B. Leih- oder Sharing-Modelle), und REDUCE (reduzieren: Effizienz in Produktion oder Nutzung erhöhen und Rohstoff bzw. Materialeinsatz reduzieren)
    • Lebensdauer von Produkten oder einzelnen Teilen erhöhen: REUSE (wiederverwenden: Wiederverwendung durch andere Nutzer, Nutzung gemäß Original-funktion), REPAIR (reparieren: Reparatur und Wartung kaputter Produkte, Nutzung im Originalzustand), REFURBISH (aufarbeiten: Wiederherstellung / Restaurierung und “Update” alter Produkte), REMANUFACTURE (wiederaufarbeiten: Teile eines alten Produkts in einem neuen Produkt mit selber Funktion nutzen), und REPURPOSE (umfunktionieren: Teile eines alten Produktes in einem neuen Produkt mit anderer Funktion nutzen). 
    • Materialien sinnvoll wiederverwenden: RECYCLE (recyceln: materielle Verwertung) und RECOVER (wiedererlangen: energetische Verwertung)
  • Prüfen Sie, ob Recycling-Partnerschaften mit spezialisierten Unternehmen es Ihnen unter Umständen erleichtern können, Materialien wie Glas, Papier und Kunststoff zu recyceln. Noch benutzbare Produkte können an lokale Partnern gespendet werden, z.B. Computer, Haushaltswaren, Pflegeprodukte (z.B. Clean the World sammelt Seifenstücke von Hotels, wiederverwertet diese als Recyclingseife, die an globale NGOs wie die WASH Foundation gespendet werden).
  • Für einen schnellen Start, finden Sie eine leicht verständliche Liste mit Quick-Wins zum Thema Kreislaufwirtschaft auf der Schweizer Seite Hotel Inside und dem dort hinterlegten Spickzettel zur Kreislaufwirtschaft für Hotels.
  • Das Hotel Luise in Erlangen setzt verschiedene Lösungen der Kreislaufwirtschaft um und gibt seine Erfahrungen aktiv weiter, darunter:
  • Das Hubertus Mountain Refugio im Allgäu setzt konsequent auf Upcycling, um Ressourcen zu schonen und nachhaltiges Design zu fördern. Alte Möbel und Materialien werden kreativ aufgewertet und in die Hotelgestaltung integriert. Dieses Engagement kommuniziert das Hotel aktiv nach außen, um Gäste für umweltfreundliche Konzepte zu sensibilisieren und zu inspirieren.
  • Die Rent.Group, ein “Sustainable Berlin”-zertifizierter Veranstaltungsausstatter aus Berlin, arbeitet aktiv zusammen mit ihren Lieferanten an einer Kreislaufwirtschaft, um die Gestaltung und Herstellung ihrer angebotenen Verleihprodukte zu optimieren, und die Lebensdauer und Recyclingfähigkeit der Materialien sicherzustellen, z.B. durch modulare Produkte, die Reparatur und Logistikprozess erleichtern. 
  • Vernetzen Sie sich in Ihrer Region und tragen Sie aktiv zur Stärkung regionaler Kreisläufe bei. Ein inspirierendes Beispiel dafür ist Weimar im Wandel – die Transition-Town-Initiative für Weimar. Sie bietet eine Sammlung lokaler Lösungen zur Kreislaufwirtschaft mit praktischen Tipps zu „Reparieren statt kaufen“, „Leihen statt besitzen“ und „Gebrauchte Dinge nutzen“.
  • Europäisches Parlament – Kreislaufwirtschaft: Definition und Vorteile
  • Umweltbundesamt – Leitsätze einer Kreislaufwirtschaft
  • Circular Economy Initiative – Circular Economy in Deutschland
  • Lösungen zur Kreislaufwirtschaft, mit Tipps für Reparieren statt kaufen”, Leihen statt besitzen”, und Gebrauchte Dinge”.Das Projekt Labor Tempelhof von Cradle to Cradle NGO in Berlin bietet detaillierte Einblicke und praktische Tipps in seinem Guidebook für die Veranstaltungs- und Musikbranche, mit konkreten Beispielen in folgenden Bereichen: Mobilität & Logistik, Energie, Catering & Gastronomie, Abfall & Nährstoffmanagement, Soziale Aspekte, Kommunikation & Bildung, Sanitär & Wasser, Merchandise & Textil sowie Veranstaltungstechnik & Produktionsmaterialien.  

Ihre Ansprechpartner

Quelle: TTG
Alexandra Rittweger
Thüringer Tourismus GmbH

Innovation & Qualität
Themenkoordination Nachhaltigkeit

Das lerne ich hier:

  • Wie kann ich als Tourismusbetrieb Abfälle reduzieren und eine Kreislaufwirtschaft fördern?

  • Welche konkreten Maßnahmen helfen mir, Ressourcen effizienter zu nutzen und Betriebskosten zu senken?

  • Wie trage ich durch nachhaltiges Wirtschaften zur Zukunftsfähigkeit meines Unternehmens und der Region bei?

 

Der nächste Schritt…

… hier erfahren Sie, etwas mehr über nachhaltigen Einkauf und mehr zur Stärkung einer regionalen Lieferkette.

 
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