1. NACHFRAGEENTWICKLUNG JAN. BIS SEP. 2025
Thüringen-Tourismus leicht unter dem Vorjahresniveau
ⓘQuelle: dwif
In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 wurden in den gewerblichen Beherbergungsbetrieben in Thüringen 2,94 Mio. Gäste und 7,71 Mio. Übernachtungen gezählt. Sowohl die Zahl der Ankünfte als auch die der Übernachtungen ging um 0,9 % zurück. Bundesweit blieb die Übernachtungsnachfrage stabil (±0,0 %). Am dynamischsten entwickelten sich das Saarland (+3,8%) sowie die beiden Stadtstaaten Bremen (+3,4 %) und Hamburg (+2,1 %).
Rückgänge im Februar, Sommermonate in Summe im Plus
Die monatliche Entwicklung im Thüringen-Tourismus verlief erneut heterogen. Nach einem starken Januar folgte ein schwächerer Februar. Die Schwankungen im März und April lassen sich auf die unterschiedliche Lage der Osterfeiertage und -ferien in den Jahren 2024 und 2025 zurückführen. In den Sommermonaten Juni bis September gab es insgesamt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Übernachtungsplus. Im Juni konnte das Vorjahresergebnis deutlich übertroffen werden (+4,0 %). Der August lag mit +0,4 % geringfügig über dem Vorjahresniveau. Im September stiegen die Übernachtungszahlen um 2,6 %. Im Juli gab es einen leichten Rückgang (-1,5 %). Damit entwickelte sich der Thüringen-Tourismus ähnlich wie der Bundestrend.
Erfurt und Thüringer Rhön mit Zuwächsen
ⓘQuelle: dwifDrei der elf Thüringer Regionen meldeten für den Zeitraum Januar bis September stabile oder steigende Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr. Am dynamischsten entwickelte sich erneut die Stadt Erfurt, die in den ersten neun Monaten die Übernachtungszahlen des Vorjahres um +3,5 % übertraf. Das Wachstum konzentrierte sich auf den Zeitraum von Juli bis September, während in den ersten sechs Monaten leichte Rückgänge verzeichnet wurden. Die Thüringer Rhön übertraf das Vorjahresergebnis um 1,8 %, im Saaleland blieben die Übernachtungszahlen stabil. Leichte Rückgänge gab es im Weimarer Land (-0,5 %), im Thüringer Wald (-1,0 %), im Thüringer Vogtland (-1,4 %) sowie in Weimar (-1,7 %). In den Regionen Eichsfeld, Welterberegion Wartburg-Hainich und Südharz/Kyffhäuser lagen die Verluste zwischen -2,0 und -3,4 %. Im Altenburger Land (-13,9 %) resultieren die starken Rückgänge zu großen Teilen aus statistischen Effekten, so dass die Zahlen aktuell nur bedingt aussagekräftig sind.
Der Incoming-Markt weiterhin im Minus
ⓘQuelle: dwif
In Thüringen wurden zwischen Januar und September 2025 1,1 % weniger Übernachtungen von ausländischen Gästen als im Vorjahr registriert. Aus den beiden wichtigsten Quellmärkten, den Niederlanden (+3,9 %) und Polen (+6,8 %), stiegen die Übernachtungszahlen. Aus der Schweiz (-2,1 %) und Österreich (-2,5 %), die vom Volumen her auf den Plätzen drei und vier liegen, gingen die Zahlen hingegen zurück. Der US-amerikanische Markt mit dem fünftgrößten Übernachtungsvolumen lag leicht über dem Vorjahr (+0,5 %). Positiv entwickelten sich sowohl der französische (+5,2 %) als auch der belgische Markt (+11,3 %). Besonders stark eingebrochen ist die Nachfrage aus Großbritannien. Hier lagen die Übernachtungen um rund ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum. Bundesweit verzeichneten fast alle Bundesländer Rückgänge bei den Übernachtungen ausländischer Gäste. Nur das Saarland und Bremen konnten hier steigende Zahlen verbuchen. Vor allem in Juni gab es deutlich geringere Übernachtungszahlen als im Vorjahr, wo die Fußball-Europameisterschaft den Incoming-Markt beflügelte. Blankenhain in Thüringen durfte die Englische Nationalmannschaft begrüßen. Daher sind 2024 viele Journalisten und Fans aus Großbritannien nach Thüringen gekommen.
Hotels, Pensionen und Kliniken mit leichtem Zuwachs
ⓘQuelle: dwifZwischen Januar und September 2025 zeigte sich bei den Betriebstypen eine ähnliche Entwicklung wie im Vorjahr. In den volumenstarken Hotels stiegen die Übernachtungszahlen um 1,2 %. Pensionen (+2,4 %) sowie die Vorsorge- und Rehakliniken (+1,9 %) vermeldeten ebenfalls steigende Übernachtungszahlen. Leichte Rückgänge gab es bei den Schulungsheimen (-1,0 %) sowie bei den Jugendherbergen und Hütten (-2,0 %). Die Hotels garnis, in den letzten Jahren häufig mit steigender Nachfrage, verzeichneten hingegen einen Rückgang um 8,0 %. Die in den vorhergehenden Jahren besonders dynamischen Segmente Camping (-2,4 %) und Ferienhäuser/-wohnungen (-5,3 %) verfehlten hingegen das Vorjahresniveau und entwickelten sich damit entgegen dem bundesweiten Trend. Einen besonders starken Rückgang gab es bei den Erholungs- und Ferienheimen, wo die Übernachtungszahlen um rund ein Viertel einbrachen.
Leichter Rückgang der Auslastung
Die Auslastung der Schlafgelegenheiten in Thüringen ging in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. Sie lag von Januar bis September bei 34,8 % und damit 0,3 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Thüringen bleibt damit weiterhin unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 38,8 % und befindet sich im Mittelfeld der ostdeutschen Bundesländer.
Ausblick
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Übernachtungstourismus gilt es auch für die Thüringer Destinationen, weiterhin ein strategisches Qualitäts- und Ansiedlungsmanagement zu verfolgen: Investitionen in die Bestandsbetriebe und neue Angebote nutzen, um Qualität zu sichern, neue Nachfrage anzuziehen und Spielraum für marktadäquate Preise zu haben. Das Produkt als solches entscheidet immer stärker über die Destinationswahl. Hier braucht es in den Kernbereichen Beherbergung, Gastronomie und Freizeitwirtschaft regelmäßig neue Impulse.
Darüber hinaus sollten attraktive Kombi-/ Bausteinangebote entwickelt werden. Im Sinne der Erwartungshaltung multioptionaler Gäste wird die Kombination aus z.B. Kultur-, Aktiv- und kulinarischen Angeboten immer wichtiger. Deren Sichtbarkeit gilt es zu erhöhen. Die Grundlage bildet ein gut funktionierendes Netzwerk zwischen Leistungstragenden und Touristikern in der Destination. Auch für die Bindung von Intervallgästen und zur Verlängerung der Aufenthaltsdauer ist die Erlebnisvielfalt entlang der touristischen Servicekette ein wichtiger Baustein.
Die Planbarkeit nimmt weiter ab: Kurzfristigere Buchungsentscheidungen und Stornierungen auch in der Hauptsaison sind mittlerweile die Regel bzw. die Erwartung der Gäste. Dazu hat auch die Konsumzurückhaltung im Sinne abwartender Konsumenten beigetragen. Mit diesen Rahmenbedingungen muss die Tourismusbranche einen Umgang finden. Betriebliche Prozesse (Personalplanung, Buchungsbedingungen) sollten geprüft werden und ad-hoc-Kommunikations- und Vertriebsmaßnahmen seitens der Betriebe und der Destinationen nehmen an Bedeutung zu.
Ebenso gilt es, die Finanzierung von Tourismus und Freizeit durch die öffentliche Hand zu sichern. Das bedeutet, Vernetzungen weiter zu intensivieren, ein klares Bekenntnis der Kommunen und des Landes zur Tourismusfinanzierung sowie die Wirtschaft stärker in die Finanzierung einzubeziehen.































