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OSV 2025: Tourismusbewusstsein und Tourismusakzeptanz

Quelle: Thüringer Tourismus GmbH

­­1. Tourismusbewusstsein und Tourismusakzeptanz

Vorbemerkung

Mit der Neuausrichtung des Sparkassen-Tourismusbarometers seit 2025 kommt das Modul „Lebensqualität in den Regionen“ als elementarer Bestandteil hinzu. Ziel ist es, die Steigerung der Lebensqualität in den Regionen und den Beitrag, den Tourismus und Freizeit dazu leisten, kennzahlenbasiert darzustellen.

Es wird ein Monitoring des regionalen Nutzens des Tourismus für die Bevölkerung, für die anderen Wirtschaftsbranchen, für die Kommunen sowie für die Mitarbeitenden in Tourismus- und Freizeitunternehmen aufgebaut. In der Ableitung aus den Kennzahlen und Informationen sollen Stellschrauben identifiziert werden, die gemeinwohlorientierten Tourismus nach vorne bringen können. Neben der Perspektive des Beitrags von Tourismus und Freizeit auf die Lebensqualität kommt die Perspektive hinzu, welche übergeordneten Kennzahlen für die Entwicklung von Freizeit und Tourismus eine Relevanz haben.

Tourismusbewusstsein und Tourismusakzeptanz

Bei den Zielgruppen der touristischen Arbeit und in einer zukunftsweisenden Tourismusentwicklung stehen die Besuchenden, die Betriebe, die Beschäftigten und die Bevölkerung im Mittelpunkt. Die Bevölkerung ist dabei Nutzergruppe (z. B. Freizeitverhalten, Tagesreisen) und „Betroffene“ touristischer Maßnahmen gleichermaßen. Der Perspektivwechsel: Einheimische wurden als zentrale Komponente des Erfolgs erkannt, zusätzliche Kennzahlen sind erforderlich, die über die quantitative Messung des Destinationserfolgs hinausgehen und neben der wirtschaftlichen Bedeutung auch soziale Aspekte mitberücksichtigen. Gleichzeitig nimmt die Bevölkerung nur selten die positiven Auswirkungen des Tourismus insbesondere auf die eigene Lebensqualität wahr. Es gilt also, die Einheimischen als Zielgruppe direkt in die Tourismusentwicklung miteinzubinden und sie stärker für die Vorteile des Tourismus zu sensibilisieren, nicht nur in Destinationen mit hoher Tourismusintensität.

Um eine Datengrundlage zu schaffen, wurden im Januar 2025 im Rahmen des Sparkassen-Tourismusbarometers Ostdeutschland 2.012 Personen in Ostdeutschland zu den Themen Tourismusakzeptanz, Tourismusbewusstsein, Lebensqualität und Identität befragt, was alle drei Jahre wiederholt werden soll. Die Erhebung erfolgte hybrid: telefonisch und über ein Online-Panel. Die Daten wurden repräsentativ für die ostdeutsche Bevölkerung gewichtet.

Unter wissenschaftlicher Begleitung des Deutschen Instituts für Tourismusforschung an der FH-Westküste wurde durch das dwif die Tourismusakzeptanz auf Basis des Saldenkonzepts, der sogenannte Tourismusakzeptanz-Saldo (TAS) gemessen. Der TAS kann einen Wert von -100 (die negativen Auswirkungen des Tourismus überwiegen), bis +100 erreichen (die positiven Auswirkungen des Tourismus überwiegen) und wird in über 100 Destinationen in Deutschland standardisiert gemessen.

Mit einem Wert von +54 werden die Auswirkungen des Tourismus auf den eigenen Wohnort von der Bevölkerung in Ostdeutschland positiv bewertet. Zum Vergleich: Im Sommer 2024 wurde für Deutschland ein Wert von +42 ermittelt. Dabei zeigen sich innerhalb Ostdeutschlands regionale und altersbezogene Unterschiede. In Thüringen lag der Tourismusakzeptanzsaldo für den Wohnort (TAS-W) bei +49. Die höchsten Werte in Ostdeutschland erreichten das touristisch geprägte Mecklenburg-Vorpommern (+61) sowie Sachsen (+60).

Zwar nehmen Einheimische häufig die positiven Auswirkungen des Tourismus auf den Wohnort und die Wirtschaft vor Ort wahr, ihnen fehlt zum Teil jedoch das Bewusstsein für den positiven Beitrag des Tourismus für die eigene Lebensqualität. Der Tourismusakzeptanzsaldo für sich persönlich (TAS-P) liegt in Ostdeutschland bei +28 und damit weiterhin im positiven Bereich. Während Menschen in Ostdeutschland mit 60 Jahren oder älter einen überdurchschnittlichen TAS-P von +35 aufweisen, erreichen junge Einheimische unter 30 nur noch einen nahezu neutralen Saldo von +6. Es gilt also, insbesondere junge Menschen für die persönlichen Vorteile durch den Tourismus zu sensibilisieren. Thüringen erreichte beim TAS-P mit +33 einen überdurchschnittlichen Wert und den höchsten in Ostdeutschland.

Tourismusakzeptanzsaldo in OstdeutschlandQuelle: dwif

Ein weiterer Aspekt ist die Einstellung der Bevölkerung in Thüringen gegenüber verschiedenen Tourismussegmenten. 45 % der Befragten in Thüringen nehmen das Gästeaufkommen an ihrem Wohnort als die richtige Menge wahr, 45 % beurteilen das Touristenaufkommen insgesamt als zu niedrig. Lediglich 4 % sagen, dass es zu viele Touristen an ihrem Wohnort gibt. Die Unterschiede zwischen Übernachtungsgästen und Tagesgästen sind dabei in Thüringen im Vergleich zu Erhebungen im Voralpenland oder an der Küste gering. Nur 5 % der Befragten empfinden die Zahl der Tagesgäste als zu hoch, bei Übernachtungsgästen liegt dieser Wert bei 3 %.

Einstellung gegenüber Tourismus-Segmenten von Einheimischen in Thüringen (in %)Quelle: dwif

Gastfreundschaftliches Verhalten ist den Einheimischen wichtig

Insgesamt gaben 94 % der Befragten in Thüringen und damit ähnlich viele wie in Ostdeutschland an, dass ihnen persönlich ein gastfreundschaftliches Verhalten wichtig ist. Zudem leben 93 % der Befragten in Thüringen gern an ihrem Wohnort. Hier ist Thüringen ostdeutschlandweit Spitzenreiter. Bei der Einschätzung der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus bleibt Thüringen im Ostdeutschlandvergleich etwas zurück. Rund 64 % stimmen zu, dass der Tourismus in Thüringen eine hohe Bedeutung hat, ostdeutschlandweit sind es 68 %. Dies spiegelt auch die relative Bedeutung der Tourismuswirtschaft im Branchenvergleich wider.

Mitspracherecht bei touristischen Entscheidungen

Eine Diskrepanz zeigt sich bei der Bewertung des Mitspracherechts bezüglich touristischer Entscheidungen: Mit 53 % ist lediglich gut die Hälfte der Bevölkerung in Thüringen mit dem Ausmaß des Mitspracherechts zufrieden. Gleichzeitig ist es aber auch nur der Hälfte der Befragten wichtig, ein solches Mitspracherecht zu haben. Um den Tourismus im Einklang mit der Bevölkerung weiterzuentwickeln, ist es wichtig, Partizipationsformate und Anreize zu schaffen. Digitale Formate und eine passgenaue Kommunikation an die Bevölkerung (z. B. an junge Menschen über Social Media) können dabei Barrieren abbauen. Grundsätzlich beurteilen jüngere Bevölkerungsgruppen viele der Aussagen teils deutlich kritischer: Einheimische unter 30 Jahren leben weniger gern an ihrem Wohnort, fühlen sich mit der Gemeinschaft vor Ort weniger stark verbunden und über den Tourismus schlechter informiert als andere Alterskohorten. Es gilt also, besonders jungen Menschen die Bedeutung und Vorteile des Tourismus näher zu bringen und gleichzeitig Angebote zu schaffen, von denen junge Menschen profitieren können wie etwa Freizeitangebote, Veranstaltungen oder Treffpunkte.

Tourismus trägt zur Imagesteigerung in Destinationen bei

Der größte wahrgenommene positive Effekt durch den Tourismus war für die Bevölkerung in allen ostdeutschen Bundesländern die Steigerung des Images einer Destination. 76 % der Befragten in Thüringen und damit ähnlich viele wie in Ostdeutschland insgesamt nahmen diesen Effekt ganzjährig oder in der touristischen Hauptsaison wahr. Darüber hinaus wird nach Ansicht der Einheimischen ein verbessertes Angebot an Freizeitmöglichkeiten geschaffen, etwa Rad- und Wanderwege oder Freizeiteinrichtungen. Junge Menschen stimmten dieser Aussage erneut unterdurchschnittlich zu. Dies gilt für fast alle abgefragten positiven Effekte des Tourismus, während sie die negativen Effekte, wie Preissteigerungen durch den Tourismus oder Umweltbelastungen, überdurchschnittlich stark wahrnahmen. Immerhin fünf von zehn Befragten in Thüringen und Ostdeutschland nehmen für sich persönlich eine Steigerung der Lebensqualität durch den Tourismus wahr.

Verkehrsprobleme als negative Effekte

Wahrgenommene positive und negative Effekte des Tourismus in Thüringen (TOP3)Quelle: dwifGenerell gilt: Die negativen Effekte des Tourismus werden in Thüringen grundsätzlich weniger stark wahrgenommen als in Ostdeutschland insgesamt. Bezogen auf die negativen Effekte des Tourismus führt aus Sicht der Bevölkerung der Tourismus zu verstärkten Verkehrsproblemen (39 %) in Thüringen. Im Ostdeutschlandvergleich lagen die Werte hier in Thüringen vergleichsweise niedrig. Darüber hinaus wird die Belastung der Umwelt durch den Tourismus in Thüringen von 39 % der Befragten kritisch eingestuft, insbesondere von jungen Menschen unter 30 Jahren. Diese gaben auch überdurchschnittlich häufig an, sich aufgrund der vielen Touristen an ihrem Wohnort nicht mehr richtig zu Hause zu fühlen. Dies kann jedoch auch mit dem bereits beschriebenen und grundlegend geringeren Zugehörigkeitsgefühl in dieser Altersgruppe zusammenhängen.

Attraktivierung des ÖPNV als wichtigste Maßnahme

Doch welche Maßnahmen eignen sich, um aufkommende negative Effekte zu reduzieren? 51 % der Einheimischen in Thüringen wünschten sich eine Attraktivierung des ÖPNVs und 37 % die Lösung von Verkehrsproblemen. Das Thema Mobilität steht also im Fokus. Für 37 % war die Wertschätzung von Mitarbeitenden im Tourismus wichtig. Rund vier von zehn Einheimischen in Thüringen forderten zudem mehr Informationen über und Beteiligung an touristischen Plänen in ihrer Destination. Eine Begrenzung der Gästeankünfte hielten 7 % für eine geeignete Maßnahme.

Identifikation mit dem Wohnort/Bundesland und Einschätzung der Lebensqualität

55 bzw. 59 % der Einheimischen in Thüringen identifizieren sich in hohem Maße mit ihrem Wohnort bzw. dem Bundesland, in dem sie leben. Bezogen auf die Identifikation mit dem Wohnort zeigten sich hier besonders hohe Differenzen zwischen den Altersklassen. Damit lag Thüringen im Mittelfeld der deutschen Bundesländer

Im Rahmen der Erhebung wurden die Einheimischen Ostdeutschlands auch nach der Einschätzung ihrer Lebensqualität befragt. Diese konnten die Befragten dabei auf einer Skala von null, sehr niedrige Lebensqualität, bis zehn, sehr hohe Lebensqualität, angeben. 40 % der Thüringer stuften ihre Lebensqualität dabei als hoch ein, weitere 51 % als mittel. Damit liegt Thüringen im Durchschnitt Ostdeutschlands. Bei der Beurteilung von freizeittouristischen Angeboten und Infrastrukturen liegt Thüringen hingegen häufig unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Die beste Bewertung auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht) erhielten Naherholungs-/
Aufenthaltsmöglichkeiten in der Natur (2,3), Wanderangebote (2,4) und Radangebote (2,8). Vergleichsweise schlecht bewertet wurden Flaniermeilen (3,9), das Schlechtwetterangebot (3,8), Wellness- und Gesundheitsangebote (3,5) sowie das Unterhaltungs- und Veranstaltungsangebot (3,4).

Bewertung von freizeittouristischen Angeboten/touristischer Infrastruktur von Einheimischen in ThüringenQuelle: dwif

Wunsch nach mehr Freizeit- und Gastronomieangeboten

Fragt man die Einheimischen in Thüringen offen ab, ob es Angebote gibt, die sie persönlich im Tourismus-, Freizeit- und Kulturbereich an Ihrem Wohnort vermissen, geben 18,4 % an, dass ihnen nichts fehlt und sie zufrieden sind. Jeweils sieben bis zehn Prozent der Nennungen beziehen sich auf den Wunsch nach mehr Möglichkeiten, Baden oder Schwimmen zu gehen, auch bei schlechtem Wetter, nach einer vielfältigeren Gastronomie an ihrem Wohnort und nach mehr Veranstaltungen und Events. Weitere Aspekte, die als fehlend genannt wurden, sind Sportangebote, Kulturangebote, Kinos, Einkaufsmöglichkeiten (passend zu den bemängelten Flaniermeilen) und Freizeitangebote, insbesondere für junge Menschen in Bezug auf das Nachtleben vor Ort wie Bars oder Clubs.

Der zweite Teil des Newsletter findet sich hier.

Den gesamten Newsletter zum Download finden Sie hier:

4/2025: OSV-Kennzahlen (8.1 MiB)



Autorin: Mareike Sager
Thüringer Tourismus GmbH
Umsetzungsmanagement
E-Mail: m.sager@thueringen-entdecken.de
Telefon: +49 361 3742238
Telefax: +49 361 3742299
BEITRAG VOM:
7. November 2025

Kategorien:
Marktforschung · Marktforschung/Trends · Marktforschungsnewsletter · Statistik · Studien · Tourismusstrategie · Trends · TST 2025


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