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Standortbestimmung und Wirtschaftsfaktor

Standortbestimmung der Tourismusstrategie Thüringen 2025 I Entwicklungen und erreichte Erfolge

 

Die Standortbestimmung zur Umsetzung der Tourismusstrategie Thüringen 2025 (TST 2025) im vergangenen Jahr zieht nach den ersten Umsetzungsjahren eine Zwischenbilanz. Sie verdeutlicht, welche ersten Erfolge erreicht wurden und wo der Thüringen-Tourismus aktuell steht.

Die gutachterlichen Einschätzungen und Empfehlungen der Standortbestimmung werden aktuell geprüft. Daher soll in diesem Marktforschungs-Newsletter ausschließlich auf die Ergebnisse aus Marktforschungssicht geblickt werden.

 

Entwicklung des Thüringen-Tourismus und erreichte Erfolge

Angebots- und Nachfrageentwicklung im Thüringen-Tourismus 2017 bis 2019

2019 wurden in Thüringen 4,0 Mio. Ankünfte und 10,3 Mio. Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben mit zehn und mehr Betten registriert. Rund jede sechste Übernachtung fand in der Hotellerie statt. Seit der Erstellung der Tourismusstrategie im Jahr 2017 sind die Übernachtungszahlen in Thüringen um 4% gestiegen.

Der Thüringen-Tourismus verzeichnet allerdings nach wie vor eine geringere Nachfragedynamik als viele Wettbewerber. Deutschlandweit sind die Übernachtungen zwischen 2017 und 2019 um 8% gestiegen, in Ostdeutschland um 9%. Auch der Anteil der Übernachtungen ausländischer Gäste sowie die Marktdynamik im Incomingmarkt sind gering. Die Aufenthaltsdauer in Thüringen lag 2019 bei 2,6 Tagen und ist konstant geblieben.

2019 gab es in Thüringen 1.294 gewerbliche Beherbergungsbetriebe, die rund 108.000 Schlafgelegenheiten anboten. Angebotsseitig hat in Thüringen eine leichte Marktbereinigung zugunsten einer steigenden Bettenauslastung stattgefunden. Diese lag 2019 bei 36,7% und damit im Mittelfeld der Wettbewerber.

Im Folgenden werden die Kernerkenntnisse aus der Analyse des Ist-Zustands 2016, die die Grundlage der Tourismusstrategie 2025 bilden, hinsichtlich ihres aktuellen Entwicklungsstandes untersucht und bewertet. Daraus lassen sich Ableitungen für die Handlungsfelder und die weitere Entwicklung des Thüringen-Tourismus treffen.

  1. Urlaubsinteresse an Thüringen stärker als bei der Konkurrenz gestiegen.

Das Urlaubsinteresse an Thüringen ist seit Veröffentlichung der Tourismusstrategie gestiegen, und zwar etwas stärker als bei der Konkurrenz. 16% der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren und damit 5 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt der Jahre 2006-2016 haben laut Reiseanalyse 2021 in den nächsten drei Jahren Interesse an einem Thüringen-Urlaub. Die Konkurrenz ist aber weiterhin groß. Thüringen belegt beim Reisezielinteresse (gesamt) nach wie vor den 8. Platz im Bundesländerranking.

  1. Thüringen steht für Kultur und Natur.

Thüringen hat in den letzten Jahren seine Profilschärfung vorangetrieben, aber es besteht weiterhin Handlungsbedarf. Laut ReiseAnalyse 2021 haben 30% der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren und damit mehr als 2019 (24%) keine konkrete Vorstellung vom Reiseziel Thüringen. Parallel dazu ist der Anteil derer, die sagen, dass man in Thüringen Kultur und Natur auf engstem Raum erleben kann, gestiegen. Auch die Besuchsabsichten der vier Leitprodukte Wartburg, Weimar, Erfurt und Rennsteig sind deutlich gewachsen. Der durch die Corona-Pandemie verstärkte Trend zum Urlaub im eigenen Land hat hierzu beigetragen.

  1. Angebote in Thüringen werden stetig erweitert und durch Themenjahre unterstützt.

Die vier Leitprodukte Thüringens schaffen bereits konkrete Besuchsabsichten. Das gestiegene Interesse an ihnen auch mit Blick auf die Zukunft ist daher positiv zu bewerten. Auch neue Angebote im Freizeitbereich wie die Leuchtenburg oder im Beherbergungssegment das voraussichtlich im Herbst 2022 eröffnende Familux Resort The Grand Green Oberhof bieten konkrete Reiseanlässe. Themenjahre und Jubiläen wie Luther 2017 und Bauhaus 2019 oder die BUGA Erfurt 2021 zählen ebenfalls dazu.

  1. Definierte Zielgruppen zeigen überdurchschnittliches Reiseinteresse an Thüringen.

Nach wie vor problematisch: Gerade neue Zielgruppen haben oft wenig konkrete Vorstellungen von Thüringen. Hierzu zählen vor allem jüngere Reisende und Einwohner/innen der alten Bundesländer. Auch die Zielgruppe der Adaptiv-Pragmatischen, eine der Hauptzielgruppen Thüringens, hat überdurchschnittlich häufig keine konkrete Vorstellung vom Reiseziel Thüringen.

Dementsprechend ist auch das Urlaubsinteresse an Thüringen bei jüngeren Reisenden deutlich geringer ausgeprägt als bei den Älteren.

Ein leicht überdurchschnittliches Reiseinteresse gibt es allerdings bei den definierten Zielgruppen der Tourismusstrategie. Der Incoming-Tourismus in Thüringen ist nach wie vor schwach ausgeprägt. Ein geringer Ausländer/innenanteil an den Übernachtungen (2019: 6,1%) sowie eine unterdurchschnittliche Dynamik im Vergleich zur Konkurrenz sind kennzeichnend. Ebenfalls schwierig: Die TOP-Volumenmärkte schwächeln, allen voran die Niederlande und Österreich.

  1. Umsatz und Auslastung der Betriebe steigen.

Die thüringischen Betriebe sind auf dem richtigen Weg, allerdings längst noch nicht am Ziel. Die Zahl der Betriebe und Beschäftigten im Gastgewerbe war zwischen 2017 und 2019 rückläufig. Zwar ist die durchschnittliche Betriebsgröße leicht gestiegen, sie ist aber nach wie vor unterdurchschnittlich. Dies gilt ebenfalls für die Innenfinanzierungskraft der Betriebe sowie den Cash Flow im Gastgewerbe. Die realen Umsätze im Gastgewerbe sind rückläufig. Dagegen ist der Umsatz pro Betrieb jedoch seit 2017 gestiegen, aber ebenfalls noch unterdurchschnittlich. Zudem ist die Zahl der Insolvenzen im Gastgewerbe weiter zurückgegangen. Gestiegen ist die Auslastung der Beherbergungsbetriebe. Das Preisniveau in der Hotellerie ist weiterhin niedrig, die Preise in Thüringen entwickeln sich aber dynamischer als in Deutschland und Ostdeutschland insgesamt.

 

WIRTSCHAFTSFAKTOR TOURISMUS

 

3.788,7 Millionen Bruttoumsatz durch Touristen in Thüringen

In Thüringen wurden im Jahr 2019 104,2 Mio. touristische Aufenthaltstage gezählt, darunter 77,5 Mio. (74,4%) von Tagesgästen und 12,730 Mio. (12,2%) von Verwandten- und Bekanntenbesucher*innen (VFR). Daraus resultierte ein Bruttoumsatz in Höhe von insgesamt 3.788,7 Mio. Euro. Das entspricht einer Steigerung von 20,9% im Vergleich zu 2014.

Das Gastgewerbe profitierte mit einem Bruttoumsatz von 1.689,5 Mio. Euro (44,6%) am stärksten von den Gästen. Aber auch der Einzelhandel (1,315,6 Mio. Euro) und die Dienstleistungsbranche (783,6 Mio. Euro) profitieren deutlich.

Der Tourismus trug 2019 rund 4% zum gesamten Primäreinkommen in Thüringen bei (2014: 3,7%). Rein rechnerisch und gemessen am durchschnittlichen Primäreinkommen pro Kopf und Jahr im Freistaat können mindestens 86.370 Personen je ein durchschnittliches Einkommen aus dem Tourismus beziehen (2014: 80.500 Personen).

Allein aus Mehrwertsteuer + Einkommensteuer resultieren 2019 ca. 351,9 Mio. € Steueraufkommen aus dem Tourismus, das jedoch als Gemeinschaftssteuer Bund, Ländern und Kommunen zukommt. Der Tourismus erzeugt u. a. durch Grundsteuer, Gewerbesteuer, Zweitwohnungs-steuer, Kurtaxe (Gast) und Tourismusabgabe (Gewerbe), zusätzliches Steueraufkommen bzw. weitere Gebühren- und Beitragseinnahmen.

 

2014 und 2019 – ein Vergleich: Deutlich gestiegene Bruttoumsätze durch Gäste in Thüringen

Die aktuelle Berechnung für 2019 zeigt: Der Tourismus in Thüringen hat bei allen betrachteten Kennzahlen seit 2014 deutlich zugelegt. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist der Bruttoumsatz insgesamt damit um rund ein Fünftel gestiegen. Die Steigerung war im Gastgewerbe (+23,6%) und im Einzelhandel (+24,4%) deutlich höher als in sonstigen Dienstleistungsbereichen (+10,3%).

Ein Fünftel mehr Tagesgäste als 2014 sowie eine höhere Ausgabebereitschaft der Tagesgäste führen zu rund einem Drittel höheren Bruttoumsätzen aus diesem Segment. Auch die Bruttoumsätze der Übernachtungsgäste in Betrieben (+10,1%) sowie die der VFR-Gäste (+12,4 Prozent) sind seitdem deutlich gestiegen.

Besonders erfreulich: Die Bruttoumsätze aus dem Tagestourismus und den Übernachtungssegmenten sind zwischen 2014 und 2019 deutlich stärker gestiegen als die reine Zahl der Tagesgäste oder der Übernachtungen. Somit ist die Wertschöpfung je Aufenthaltstag nach oben gegangen, ein qualitatives Wachstum, das besonders für die Betriebsergebnisse ein positives Signal bedeutet.

 

Ableitungen

Der Tourismus ist eine klassische Querschnittsbranche. Egal ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleistende oder Zuliefernde wie regional Produzierende und Handwerksbetriebe, es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert.

Deshalb lohnen sich Investitionen von Kommunen und Unternehmen in die tourismus-bezogene Infrastruktur, konkrete Produkte und die touristische Vermarktung. Umso wichtiger ist es, die Wirkung und Relevanz des Tourismus für die Wirtschaft im Untersuchungsgebiet deutlich zu machen. Der Tourismus ist Umsatzbringer und leistet über Steuereinnahmen einen Beitrag zur Finanzierung der öffentlichen Haushalte. Als Jobmotor bietet der Tourismus Menschen vieler unterschiedlicher Berufsqualifikationen und Beschäftigungsverhältnisse (von der Saisonkraft bis zur Vollzeitstelle) Einkommensmöglichkeiten. Er schafft und sichert ortsgebundene Arbeitsplätze.

Über Instrumente wie die Kurtaxe oder die Fremdenverkehrsabgabe trägt er zudem direkt zur Verbesserung der lokalen Infrastruktur bei. Hiervon profitieren Gäste ebenso wie Einheimische und Unternehmen vor Ort. Das Tourismus-Engagement eines Ortes zahlt sich aus – in Euro und Cent für alle Branchen. Gleichzeitig steigert es die Attraktivität und Lebensqualität für Einheimische und Gäste.

 

Weiterführender Artikel: Sinus Milieus und In eigener Sache

 

Den gesamten Marktforschungsnewsletter finden Sie hier zum Download:

2/2022: Standortbestimmung, Wirtschaftsfaktor, Sinus Milieus (616.6 KiB)



Autorin: Marktforschung
Thüringer Tourismus GmbH
E-Mail: marktforschung@thueringen-entdecken.de
Telefon: +49 361 3742239


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