ⓘQuelle: dwif 2021
Die Gästezufriedenheit in Thüringen ist im letzten Jahr stabil geblieben. Der TrustScore 2022 (Datenbasis 2020 und 2021) beträgt 85,2 Punkte. Damit liegt Thüringen weiterhin unter dem bundesweiten Durchschnitt von 86,4 Punkten und gemeinsam mit Brandenburg auf Platz 8 im Bundesländerranking. Dieses wird weiterhin von Bayern (89,2) angeführt. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Rheinland-Pfalz (87,8) und Schleswig-Holstein (87,4). Der Blick in die Regionen zeigt starke Unterschiede: Die Thüringer Rhön (88,2) belegt mit Rang 24 wie bereits im Vorjahr einen der vorderen Plätze im Bundesvergleich von über 140 Regionen. Das Eichsfeld (87,9) machte einen deutlichen Satz nach vorn und belegt nun Platz 27. Auch im Thüringer Vogtland (86,9) und in der Region Südharz/Kyffhäuser (85,7) hat die Gästezufriedenheit zugenommen, und sie konnten sich im Destinationsranking verbessern. In den Städten Eisenach, Erfurt, Jena, Weimar und im Übrigen Thüringen ging die Gästezufriedenheit dagegen erneut zurück.
Bei der Bewertung der einzelnen Kategorien liegt Thüringen im Bundesländervergleich meist im Mittelfeld. Positiv entwickelt hat sich im letzten Jahr die Bewertung der Außenanlagen der Beherbergungsbetriebe. Hier machte Thüringen im Bundesländerranking drei Plätze gut. Auch beim Thema Internetanbindung hat Thüringen zwei Plätze gutgemacht, wenngleich die Platzierung und die Gästezufriedenheit hier immer noch deutlich ausbaufähig sind. Der Blick in die Regionen zeigt, dass diese in einigen Kategorien bundeweit Top-Platzierungen belegen. Allen voran die Thüringer Rhön, die in den Kategorien Außenanlagen, Service und Preis Top-10-Platzierungen erreicht. Südharz/Kyffhäuser liegt bei der Kategorie Essen und Trinken unter den Top 10.
Klassifizierungen, Zertifizierungen und Qualitätslabel sind neben Gästebewertungen nach wie vor ein wichtiges Orientierungskriterium für potenzielle Gäste. Wie eine aktuelle Studie des DTV und des dwif im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt, vertrauen 7 von 10 Reisenden offiziellen Qualitätssiegeln und -klassifizierungen. 53 Prozent buchen sogar mehrheitlich Unterkünfte, die über offizielle Klassifizierungen verfügen. Auch liegt die Gästezufriedenheit in zertifizierten/klassifizierten Betrieben höher als in nicht-zertifizierten/klassifizierten Betrieben. Gleichzeitig ist die Gästezufriedenheit in Pandemiezeiten in nicht-zertifizierten/klassifizierten Betrieben stärker zurückgegangen, als in Betrieben, die zertifiziert/klassifiziert sind. Das zeigt deutlich: Klassifizierungen/Zertifizierungen lohnen sich und sind zusammen mit Gästebewertungen wichtige Maßstäbe für das Qualitätsmanagement in Betrieben und Destinationen.
In den letzten Jahren hat die Zertifizierungsbereitschaft von Betrieben deutschlandweit und auch in Thüringen jedoch abgenommen. Die Ergebnisse für Thüringen im Überblick:
2022 nehmen 223 Betriebe in Thüringen an der Hotelklassifizierung des DEHOGA teil. Damit hat seit 2017 rund jeder zehnte Betrieb in Thüringen die Klassifizierung nicht verlängert (Deutschland: -17,7 Prozent). Bundesweit führend ist Thüringen bei der Marktabdeckung: 53,9 Prozent der Hotelbetriebe sind Sterne-klassifiziert (Deutschland: 36,9 Prozent). Der Anteil der 4- und 5-Sterne-Betriebe liegt bei 33,6 Prozent und damit leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt von 36,9 Prozent.
Mit Blick auf die Kategorien des TrustScores werden die Handlungsbedarfe für die Thüringer Destinationen und Betriebe deutlich.
„Weiter so“ heißt es hingegen in den Bereichen Service und Gastronomie. Hier ist es durchaus möglich, mit entsprechenden Anstrengungen und konkreten Konzepten Thüringen in den nächsten Jahren im Bundesländerranking noch weiter nach vorn zu bringen.
Vor dem Hintergrund der nach wie vor großen Bedeutung von Klassifizierungen und Zertifizierungen sind die Tourismusorganisationen weiterhin gefragt. Sie sollten neben der Beratung zum Thema Klassifizierung/Zertifizierung gezielt Betriebe ansprechen, um sie von den Vorteilen zu überzeugen. Denn wie eingangs erwähnt: Eine Klassifizierung/Zertifizierung geht mit einer höheren Gästezufriedenheit einher, die im weiteren Verlauf zu Wiederholungsbesuchen oder einer hohen Weiterempfehlungsbereitschaft führt. Gerade die Optimierung der internen Prozesse sollte nicht vernachlässigt werden. So wirken Qualitätsmanagementinstrumente nicht nur indirekt in Richtung der Gäste, sondern stärken auch die Mitarbeiterbindung.
Auch 2022 wird das Reisen noch von den Auswirkungen der Corona-Pandemie bestimmt sein. So gaben in der 38. Deutschen Tourismusanalyse 88 Prozent der Befragten an, dass Corona auch 2022 ihre Urlaubsentscheidung beeinflusst. Laut FUR Reiseanalyse erfolgt aber ein weiterer Schritt in Richtung Normalisierung.
Zentrale Erkenntisse aus verschiedenen Studien im Überblick:
Weitere Informationen finden Sie hier: 38. Deutsche Tourismusanalyse, ReisePuls Deutschland, Covid-Sonderstudie ITB Berlin, FUR Reiseanalyse Erste Ergebnisse, Tourlane Reisetrends, Kurzüberblick über verschiedene Studien zum Reiseverhalten
Auch die folgende Entwicklungen beeinflussen das Reisen 2022:
Die Ausgangssituation für den Thüringen-Tourismus 2022 ist gut. Eine hohe Reiselust in der deutschen Bevölkerung, längere Reisedauern sowie eine erhöhte Ausgabebereitschaft in Kombination mit einem leicht erhöhten Interesse an einer Reise nach Thüringen machen Hoffnung auf eine Entspannung der Situation 2022. Wichtig ist, dass die Thüringer Destinationen und Betriebe vor dem Hintergrund der Reisetrends entsprechende Angebote entwickeln und insbesondere auch das veränderte Buchungsverhalten – kurzfristiger, flexibler – berücksichtigen. Der Wettbewerb wird trotz des hohen Reiseinteresses an Deutschland wieder stärker werden. Die konkreten Planungen für eine Reise ins europäische Ausland sind bereits wieder so hoch wie vor der Corona-Pandemie. Darauf sollten auch die Thüringer Destinationen vorbereitet sein.
Weiterführender Artikel:
Nachfrageentwicklung 2021, Tagesreisen und Freizeitwirtschaft
Den gesamten Marktforschungsnewsletter zum Download finden Sie hier:
Marktforschungsnewsletter 01/2022 - Aktuelle Marktentwicklung im Gastgewerbe und der Freizeitwirtschaft (1.0 MiB)