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Aktuelle Marktentwicklung im Gastgewerbe und in der Freizeitwirtschaft

Rückläufige Zahl an Tagesausflügen im Vergleich zum Normaljahr

Der Tagestourismus ist ein milliardenschweres Standbein im Deutschlandtourismus und wichtig für eine kontinuierliche Auslastung vieler Einrichtungen und Anbieter. Für den Zeitraum Januar bis Oktober 2021 bilanziert der dwif-Tagesreisenmonitor einen Rückgang der Tagesreisen um rund 17 Prozent im Vergleich zu einem Normaljahr. Ab Mai 2021 war analog zu 2020 jedoch eine schnelle Regenerationsgeschwindigkeit im Gesamtmarkt zu beobachten, so dass im Sommer 2021 in einigen Kalenderwochen das Ausgangsniveau von 2019 sogar übertroffen wurde. Die Verlagerung auf „naturnahe Aktivitäten“ und Tagesausflüge im näheren Wohnumfeld war zwar noch messbar, aber nicht mehr so stark wie 2020. Daraus lässt sich eine weitere Normalisierung des Marktsegmentes der Tagesausflüge schließen. Diese Entwicklungstrends sind auch auf Thüringen übertragbar. 

Nachfragekurven der Anzahl Tagesausflüge pro Kopf und Kalenderwoche im Vergleich 2019-2021Die aktuell wieder zunehmenden Einschränkungen auch im Ausflugsverkehr im Zuge der Verschärfung der Pandemie-Situation stoppen den Normalisierungstrend wiederum. Die Erfahrungen aus den letzten gut eineinhalb Jahren haben jedoch gezeigt, dass die Nachfrage bei den Tagesausflügen schnell wieder anzieht.

 

Ableitungen: Tagesreisen zeigen schnelle Regeneration

Die Zahlen verdeutlichen: Tagesreisen waren nie auf dem Nullpunkt und mit ersten Lockerungen zeigt sich eine schnelle Regeneration. Das Aktivitätenspektrum hat sich jedoch erheblich verändert. Infolge der veränderten Tagesausflugsaktivitäten (Outdoor-Trend) haben sich die Ausgaben der Tagesreisenden reduziert. Das trifft die Branche ebenso wie die Volumenreduktion. Und während in der Gastronomie teils Überkompensationseffekte zu verzeichnen waren, zeigt sich die Entwicklung bei Veranstaltungen und Sehenswürdigkeiten weiterhin unterdurchschnittlich.

Das bedeutet für Betriebe und Destinationen in Thüringen:

  • Abstands- und Hygienekonzepte langfristig anlegen und Hygiene-Aufschlag einkalkulieren (und kommunizieren)
  • aktives Ausflüglermarketing betreiben (Tagesgäste vom Wohnort und vom Urlaubsort)
  • Maßnahmen zum Ausgleich der Interessen der Anspruchsgruppen Übernachtungsgäste, Tagesgäste, Einheimische stärken (z. B. Besucherlenkung, Kommunikation)
  • Maßnahmen/Programme zur Sicherung der öffentlichen tourismusrelevanten Infrastruktur und für Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft prüfen
  • bei Investitionsaktivitäten nicht nachlassen bzw. unterstützen

 

Freizeitwirtschaft in Thüringen

Sommer 2021 übertrifft die Vorjahresergebnisse

Die Freizeiteinrichtungen in Thüringen sind nach wie vor stark von den Einschränkungen der Pandemie betroffen. Der monatelange Lockdown zu Jahresbeginn, eine schrittweise Wiedereröffnung ab März – je nach Art der Einrichtung teilweise auch erst im Juni – ein relativ entspannter Sommer mit weiterhin bestehenden Restriktionen und die Einführung eines 2G-Modells stellen die Einrichtungen vor immer neue Herausforderungen und Unsicherheiten.

Aufgrund dieser Rahmenbedingungen sind die Besucherzahlen der Freizeiteinrichtungen in Thüringen zwischen Januar und September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut um 14,2% zurückgegangen. Damit waren die Einbußen im Vergleich zum Vorjahr weniger stark, als in Ostdeutschland insgesamt (-24,9%). Vom Niveau des letzten Normaljahres vor Beginn der Pandemie ist man dennoch weit entfernt: Hier lag das Besuchervolumen fast doppelt so hoch.

Der Blick auf die Entwicklung in den Sommermonaten Juni bis September, als der Großteil der Ein-richtungen wieder durchgehend geöffnet hatte, war ein kleiner Lichtblick für die Freizeiteinrichtungen in Thüringen. Das Vorjahresergebnis wurde in diesem Zeitraum um 14,3% übertroffen. Im Vergleich zum letzten Normaljahr fehlte allerdings noch jede/r zehnte Besucher/in. Besonders die Anbietenden von Stadtführungen konnten aufatmen. Besucherzahlen Freizeitwirtschaft in Thüringen nach Monaten Vergleich 2019-2021Die Teilnehmerzahlen lagen sogar nur knapp unter dem Niveau des Jahres 2019 (-2,6%), was im Ostdeutschland-Vergleich ein hervorragendes Ergebnis ist (-26,9%). Im Vorjahr war dieses Angebotssegment nahezu zum Erliegen gekommen.

 

Ableitungen: Outdoorangebote haben es deutlich leichter

Die Betroffenheit der Einrichtungen ist je nach Angebotsart weiterhin sehr unterschiedlich. Outdoorangebote hatten und haben es weiterhin deutlich leichter als Indoorangebote. Wichtig sind gute Hygienekonzepte und eine klare und aktuelle Kommunikation der geltenden Regelungen gegenüber den Kunden.

Vor dem Hintergrund der wieder stark steigenden Infektionszahlen und der Einführung der 2G-Regel in Thüringen ab 17.11.2021 ist eine Prognose über die Besucherzahlen der Freizeiteinrichtungen in den Herbstmonaten schwierig. Der wichtige Herbstferienmonat Oktober dürfte vermutlich noch einmal zu einem Plus bei den Besucherzahlen geführt haben. Eine Verbesserung der Zahlen ist auch noch für den November zu erwarten (Lockdown-Monat 2020). Alle weiteren Marktentwicklungen für den Winter 2021/22 sind derzeit noch völlig offen.

 

Entwicklungen im Gastgewerbe

Beschäftigung und Ausbildung im Gastgewerbe rückläufig

Der Arbeitsmarkt im Gastgewerbe steht bundesweit unter Druck und die Corona-Pandemie hat die Lage noch verschärft. In Thüringen gab es 2020 gut 21.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftige im Gastgewerbe. Das sind 6,0% weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Die Entwicklung liegt damit auf einem ähnlichen Niveau wie in Ostdeutschland (-6,0%) und Deutschland (-7,5%). Gegenüber 2016 ist die Zahl der Beschäftigten um 5,0% zurückgegangen. Noch deutlicher wird das Fachkräfteproblem in der Branche beim Blick auf die Ausbildungszahlen. 2020 und 2021 gab es in Thüringen rund 200 Ausbildungsstellen weniger als noch 2019. Bereits in den Vorjahren war ein rückläufiger Trend erkennbar. Parallel dazu ist der Anteil der unbesetzten Ausbildungsstellen von 12,2% (2016) auf 25,8% (2021) gestiegen. Das bedeutet, dass jede vierte Ausbildungsstelle im thüringischen Gastgewerbe im September 2021 nicht besetzt war.

 

 

Rückläufige Insolvenzzahlen im thüringischen Gastgewerbe

Kurve der Insolvenzen in Thüringen und Ostdeutschland im Vergleich 2014-20202020 gab es in Thüringen 24 Unternehmensinsolvenzen im Gastgewerbe, drei davon im Beherbergungssegment und 21 in der Gastronomie. Die Zahl der Insolvenzen gastgewerblicher Betriebe ist in den letzten Jahren sowohl in Thüringen als auch deutschlandweit rückläufig. Die Marktbereinigung hat sich seit einigen Jahren verlangsamt, größere leistungsfähigere Betriebe sind auf den Markt getreten. Darüber hinaus sind die aktuellen Insolvenzzahlen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten, da Überbrückungshilfen vermutlich einigen bereits angeschlagenen Betrieben geholfen haben, die Insolvenz vorerst abzuwenden. Erst 2022/2023 wird man final bewerten können, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Insolvenzen im thüringischen Gastgewerbe hat.

IHK-Saisonumfrage Gastgewerbe

Die Sommermonate mit ihren Lockerungen und den verhältnismäßig niedrigen Corona-Inzidenzen haben die Lage im thüringischen Gastgewerbe etwas entspannt. Der Konjunkturklimaindex der Branche – zu Jahresbeginn noch auf historischem Tiefststand – hat sich im Kammerbezirk Ostthüringen seinem alten Niveau wieder angenähert, das Vor-Corona-Niveau jedoch weiterhin nicht erreicht.

  • Im Gastgewerbe wird die Geschäftslage in Südthüringen derzeit ähnlich wie in den Jahren 2014 bis 2016 bewertet. Im Kammerbezirk Südthüringen gaben 39% der Befragten an, dass ihre Geschäftslage gut ist. Im Kammerbezirk Ostthüringen waren es mit 56% deutlich mehr.
  • Die Umsätze sind bei 22% der befragten Betriebe aus Südthüringen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, bei 45% ist er gleich geblieben. In Ostthüringen können ebenfalls 22% über gestiegene Umsätze berichten, 27% stellten konstante Umsätze fest.
  • Die Erwartungen an die nächsten Monate unterscheiden sich zwischen den beiden Kammerbezirken kaum. Im Kammerbezirk Südthüringen gehen rund 17% der Befragten von einer besseren Geschäftslage als im Vorjahr aus. Im Kammerbezirk Ostthüringen sind es mit 15% ähnlich viele.

 

Zugangsbeschränkungen stellen Gastwirte erneut vor Probleme

Bereits im Oktober wurden in vielen Thüringer Landkreisen 3G-Regeln im Gastgewerbe eingeführt. Wie eine Blitzumfrage der IHK Südthüringen Ende Oktober gezeigt hat, gehen drei Viertel der befragten Gastwirte davon aus, dadurch Umsatzverluste zu erleiden. Diese liegen im Durchschnitt bei 36% des Umsatzes. Die Einführung der 2G-Regel ab dem 17.11. führt zu noch stärkeren Umsatzeinbußen, als noch Ende Oktober vorhersehbar. Ebenfalls schwierig für die Betriebe: die Kontrolle der Einhaltung der Regeln. 4 von 10 Betrieben gaben an, dass dadurch ihr Personalaufwand gestiegen ist. Insbesondere vor dem Hintergrund des bereits bestehenden Arbeitskräftemangels in der Branche ist dies problematisch.

 

Ableitungen: Image und Attraktivität der Tourismusbranche verbessern

Durch die beiden Lockdowns und die damit verbundene Kurzarbeit haben viele Fach -und Saisonkräfte ihre Jobs im Gastgewerbe nicht mehr als sicher wahrgenommen. Häufig haben sie eine neue Anstellung in der Logistik oder dem Einzelhandel gefunden, die als krisensicher und systemrelevant gelten. Zeitweise gab es gezielte Abwerbeversuche aus anderen Branchen. Die Corona-Pandemie hat den Fachkräfteverlust somit weiter beschleunigt. Aber nicht nur Fachkräfte wandern ab – vor allem Hilfs- und Saisonkräfte, die keinen Zugang zur Kurzarbeit hatten, haben ihre Jobs verloren.

Für die Tourismusbranche in Thüringen bedeutet das, weiter am Image und der Attraktivität zu arbeiten. Entscheidend sind dafür Themen wie Gehälter, flexible Arbeitszeitmodelle, attraktive Ausbildungsinhalte, ein positives Arbeitsklima und Entwicklungschancen – dies alles ist nicht neu und stand schon vor der Corona-Pandemie auf den To-Do-Listen. Vor allem die positiven Aspekte des Arbeitens im Gastgewerbe sind in der Kommunikation häufig zu kurz gekommen: Ständiger Kontakt zu Menschen, abwechslungsreiche Tätigkeiten und das interkulturelle Umfeld sowohl unter Kollegen und Kolleginnen als auch bei den Gästen sind hier hervorzuheben. Die Betriebe haben die Aufgabe, sich attraktiv zu vermarkten, nicht nur für Gäste, sondern auch für neue und zukünftige Mitarbeiter/-innen, Stichwort Arbeitgebermarke. Hierfür sind neue Kooperationsansätze ebenfalls zu denken.

 

Weiterführende Artikel:
Nachfrageentwicklung Januar bis September 2021

 

Den gesamten Marktforschungsnewsletter zum Download finden Sie wie folgt:

Mafo-Newsletter-Dezember-2021 (754.1 KiB)

 

 



Autorin: Marktforschung
Thüringer Tourismus GmbH
E-Mail: marktforschung@thueringen-entdecken.de
Telefon: +49 361 3742239


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