13. Februar 2018

Österreicher finden ein Stück Heimat in Thüringen

Auf der Liste der Ankünfte und Übernachtungen ausländischer Gäste in Thüringen sind die Österreicher unter den TOP 5. Ihr vorrangiges Reisemotiv: Stadtschlendern und kulturelle Erlebnisse. Aber ganz gleich, wie sehr uns die gemeinsame Muttersprache verbinden mag; es braucht reichlich Erfahrung im Markt, um den Gast aus Österreich wirklich zu verstehen. Jedes Jahr im Januar hat Barbara Ermrich – sie betreut bei der TTG den Quellmarkt Österreich – das Vergnügen, die FERIENmesse in Wien zu besuchen und Thüringen als Reiseland zu bewerben. Für die Thüringer Touristiker teilt sie ihre Erfahrungen in diesem Interview.

Barbara, das musst du erklären: Warum ist Deutschland oder auch Thüringen überhaupt interessant für einen Österreicher, der Natur in den Alpen und Kultur in Wien quasi direkt vor der Haustür hat – ist das nicht irgendwie zu ähnlich?
Genau in dieser „Ähnlichkeit“ liegt gerade das große Potential. Ohne große Sprachbarriere, aber mit sehr viel kultureller Verbundenheit ist Deutschland, und wie ich finde, insbesondere Thüringen, unglaublich interessant für die österreichischen Urlauber. Das hohe Bildungsniveau, gerade im Bereich Musik, treibt dabei das Interesse nur noch mehr an. Im Gegensatz zu Touristen aus anderen europäischen Ländern, ist es dem Österreicher bestens möglich am Originalschauplatz „Thüringen“ Werke von Goethe und Schiller zu erleben, und zu verstehen. Diese kennt er oft schon aus seiner eigenen Schulzeit. Authentische Bachorte, oder auch die Quelle der Inspiration für große Werke der Musikgeschichte, weiß er vermutlich besonders zu schätzen. Nicht zu verachten ist auch immer die Bedeutung einer UNESCO-Auszeichnung – und davon haben wir allein 16 in Thüringen.

Spielt Thüringens Natur dann überhaupt noch eine Rolle in der Vermarktung?
Oft vergessen wir, dass auch in Österreich nicht alle mit einem Dirndl über die Wiesen tanzen wie im Heimatfilm  Und blickt man in Wien von einem Kirchturm, muss man die Augen schon sehr zusammenkneifen, um die Alpen zu sehen. Aber ja, die landschaftliche Schönheit dieser Region ist unumstritten und die Österreicher wollen sie nicht missen. Doch gerade deswegen kann Thüringen punkten: Wer die Faszination Natur zu schätzen gelernt hat, möchte auch im Urlaub von ihr umgeben sein. Die „ländliche Idylle“ spielt hier eine entscheidende Rolle bei der Durchreise zu den Städten. Wenn dann neben dem Radweg noch eine mittelalterliche Burg oder ein gemütlicher Landgasthof steht – perfekt.

Apropos Landgasthof: Die regionale Küche und Gastfreundschaft in Thüringen dürfte den Österreichern ja auch schmecken, nicht?  
Oh ja, in jedem Fall. Aber bitte nicht verwirrt schauen, wenn ein Wiener einen „Verlängerten“ oder „Einspänner“ erfragt. Er möchte keine Kutsche bestellen, viel eher einen Kaffee. Von diesen Besonderheiten bei der Redensart gibt es noch unzählige weitere Beispiele. Grundsätzlich zeichnet sich der Österreicher aber vor allem durch etwas aus, was wir auf die Kulinarik bezogen wohl als „lust- und genussvoll“ bezeichnen würden. Qualität geht hier eindeutig über Preis und Kalorien! Wichtig ist zudem die Mischung aus Herzlichkeit und Höflichkeit, die wir Deutschen ja auch so an Österreich schätzen. Die Österreicher verbringen gerne einige Stunden in ihren „Beisl“ und „Wiener Heurige“, sehr gemütliche Wirtshäuser.

Und sag, gibt es DEN Österreicher?
Ganz im Gegenteil. Genau wie in Deutschland unterscheiden sich die Regionen und die Menschen stark voneinander. Nehmen wir die Wiener: Allein das für uns bizarre Verhältnis der Wiener zum Tod und der Wiener „Schmäh“ stehen im starken Kontrast zur fast schon ländlichen Idylle in Salzburg und Innsbruck – von den „Dörflis“ auf dem Land ganz zu schweigen. Als potentieller Thüringen-Urlauber verbindet die Österreicher aber alle wohl eines: Die Sehnsucht nach Gemütlichkeit in Verbindung mit kulturellen und kulinarischen Erlebnissen.

Und da wir gerade von Salzburg sprechen: Über die neu eröffnete ICE-Strecke sind es nur noch 4,5 Stunden von der Mozartstadt nach Erfurt. Ein durchaus attraktiver und neuer Reiseanlass für Österreicher.

Und dann ist da noch die Sache mit den Titeln?
Richtig, hier ein kleiner Praxis-Tipp: Gerade im Gespräch mit den älteren Generationen wird es als sehr angenehm und korrekt empfunden, den akademischen Titel noch zu benennen. Ähnlich wie bei uns der „Dr.“ besteht die Tradition auf die Erwähnung von Magister oder auch Professor.

Und zum Abschied ein „Bussi“?
Genau. Aber Vorsicht, anders als in der Schweiz sind es in Österreich nur zwei.

Vielen Dank Barbara.

Ihre Ansprechpartnerin 

Thüringer Tourismus GmbH 
Barbara Ermrich 
Auslandsmarketing Österreich, Schweiz, Frankreich
Tel: +49 361 3742231 
b.ermrich@thueringen-entdecken.de 

Weitere Informationen zu unseren Gästen aus Österreich finden Sie im Bereich Produktentwicklung/ Quellmarkt Österreich.

 




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Autor

Claudia Hartmann
Thüringer Tourismus GmbH