18. Dezember 2017

Tourismus-Information Ruhla vom Fachverband geprüft

„Rotes I“ für die Anlaufstelle am Neuen Markt. Beherbergungsbetriebe berichten, wo die Säge wirklich klemmt

Was Eisenachs Tourist-Information noch nicht hat, kann die Ruhlaer schon bieten, nämlich die Zertifizierung durch den Deutschen Tourismusverband. Am Freitag erhielt die 2002 eröffnete Tourist-Information am Neuen Markt das „Rote I“. 20 grundlegende Kriterien hat die Einrichtung dafür im Vorfeld erfüllen müssen, 40 weitere dann bei der Prüfung vor Ort. Mit einer Bewertung von 82 Prozent lag die Ruhlaer Infostelle ein Prozent über dem Bundesschnitt und zwei Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Tourist-Information Ruhla

Tourist-Information Ruhla

Bürgermeister Hans-Joachim Ziegler (SPD) lobte den Einsatz der Mitarbeiter und auch die des in dieses „Geschäft“ eingebundenen Naturparks Thüringer Wald. Zugleich kritisierte er die Landespolitik, die dem staatlich anerkannten Erholungsort Ruhla (noch fehlt die Reprädikatisierung nach anderen Regeln) bisher sämtliche Förderanträge in dieser Kategorie rigoros abgelehnt habe und die Ortsteile Thal und Kittelstahl bei der Tourismusförderung nicht als Einheit mit Ruhla betrachte.

Wehmütiger Blick nach Bad Liebenstein

Während beispielsweise Bad Liebenstein 1,6 Millionen Euro aus dem Kurstadttopf erhalte, gehe der Erholungsort Ruhla völlig leer aus. „Diese Diskrepanz ist nicht nachvollziehbar“, betonte Ziegler, sein Erster Beigeordneter Gustav Bergemann (CDU) pflichtete dem bei. Aber Ruhla gibt nicht auf. Das zweierlei Maß sei um so fraglicher, als dass Ruhla und Bad Liebenstein im Tourismus ähnliche Strukturen und Aufgaben hätten, die sich an vielen Stellen sogar überlappten, nicht nur, aber auch im Wanderwegenetz. In Thüringen gibt es 38 staatlich anerkannte Erholungsorte, davon 32 im Thüringer Wald.

Im unmittelbaren Zusammenhang mit der Zertifizierung der Tourismus-Information waren Ferienwohnungen vom Thüringer Tourismusverband mit Sternen bewertet worden. Unter anderem wurden 26 Mal vier und sechs Mal fünf Sterne vergeben. Neben der Siedlung „Ferienhaus-Lichtung“ in der Alten Ruhl wurden auch zwei Ferienwohnungen von Ute Linß in Ruhla mit fünf Sternen bewertet, was in dieser Kategorie sehr selten sei. Ute Linß betreibt nicht nur in Ruhla Ferienwohnungen. Für sie ist die Zertifizierung der Tourist-Info eine tolle Sache, viel wichtiger sei ihr aber, dass das Marketing für Deutschland, für Thüringen und für Ruhla weiter verbessert werde und Früchte trage. Die Region Eisenach-Ruhla-Thüringer Wald habe so viel zu bieten, so viel Potenzial, nur sei dies in weiten Teilen Deutschlands noch nicht oder nur spärlich bekannt, so ihre Erfahrungen mit Gästen.

Wer in Ruhla und Umgebung ein paar Tage verbringe, komme in den seltensten Fällen wieder. „Dann kommen neue Gäste“, berichtet die Unternehmerin. Die Vorzüge des westlichen Thüringer Waldes mit Eisenach seien in Niedersachsen oder anderen westlichen Bundesländern immer noch zu wenig bekannt. Dabei weiß Ute Linß, wie sie erzählte, vor lauten Sehenswürdigkeiten gar nicht, was sie in ihre Gäste-Information stecken soll und was nicht.

Bürgermeister Ziegler und die Touristiker der Bergstadt kennen die Situation, werden aber nicht müde, Initiativen zu ergreifen. Dass es beim Miniaturenpark „mini-a-thür“ samt Sommerrodelbahn, einem touristischen Anziehungspunkt, wirtschaftlich zuletzt nicht mehr nach Wunsch lief, korrespondiert mit diesem Thema. Die Stadt Ruhla als Hauptgesellschafterin möchte in dieser Sache die Strukturen verändern, scheitere aber momentan an bürokratischen Hürden, sagt Bürgermeister Ziegler. Mit Beginn des Jahres 2018 werden sich Verwaltung und Stadtrat intensiv mit dieser Aufgabe befassen.

Quelle: Jensen Zlotowicz (Thüringer Allgemeine)




Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor

Paul Hentschel
Regionalverbund Thüringer Wald e.V.