21. März 2017

Wird es ein gutes Tourismusjahr 2017, Herr Sonntag?

Drei Fragen an Ulf Sonntag, Projektleiter der Reiseanalyse bei der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR)

Herr Sonntag, die Reiseanalyse beschäftigt sich mit den Urlaubsreisen der Deutschen und hat gerade auf der ITB 2017 die neuesten Ergebnisse vorgestellt. Die Urlaubsströme in Europa und im Mittelmeerraum verschieben sich gerade durch Terroranschläge und politische Ereignisse erheblich. Hat diese Entwicklung Einfluss auf die zu erwartenden Touristenzahlen in Deutschland oder auch ganz speziell in Thüringen?

Die Urlaubsnachfrage 2016 war unverändert hoch und auch die Reiselust für 2017 ist ungebrochen. Die Aussichten fürs Reisejahr 2016 sind damit gut. Trotzdem gehen die Terroranschläge und die gefühlte Sicherheitslage in vielen Teilen der Welt nicht spurlos an den Deutschen vorbei. Man verzichtet zwar nicht auf den Urlaub, aber man sorgt sich und überlegt genauer, wohin man verreisen möchte. Gewinner dieser Entwicklung werden 2017 Reiseziele am europäischen Mittelmeer sein, aber auch unsere Nachbarländer und Deutschland selbst. Mit einem starken Thema, wie dem Lutherjahr, sind auch die Aussichten für Thüringen eher positiv.

Sie schauen sich in der Reiseanalyse auch die Urlaubsorganisation und die -buchung an. Verstärkt sich der Siegeszug der Online – Buchung? Welche Tendenzen sind der Reiseorganisation erkennbar?

Lange Urlaubsreisen werden immer stärker digital gebucht – Bei den kurzen Urlaubsreisen dominiert die Digital-Touristik bereits den Markt. Die Anzahl der Urlaubsreisen ab einer Übernachtung, bei denen mindestens eine Leistung über digitale Kanäle gebucht wurde, stieg um 1,3 Millionen an. Der Gesamtmarkt aller vorab gebuchten Urlaubsreisen ab einer Übernachtung ist hingegen lediglich um 0,9 Millionen Reisen auf insgesamt 119,6 Millionen Reisen gewachsen. Der Anteil der digitalen Kanäle an diesem Markt liegt aktuell bei insgesamt 62 Prozent. Bei 56 Prozent der Reisen wurde sogar ausschließlich digital gebucht. Die Pauschalreise bleibt bei allen gebuchten Urlaubsreisen aktuell noch die wichtigste Form bei der Urlaubsorganisation, doch sie wurde auf den digitalen Kanälen bereits von Einzelbuchungen der Unterkunft überholt.

Erstmals haben Sie sich in diesem Jahr mit dem „Content – Marketing“ beschäftigt und haben die deutschen Urlaubsinteressenten gefragt, wovon Sie sich bei der Reisezielwahl inspirieren lassen….  

Ja, denn für Anbieter im Tourismus wird die Frage immer wichtiger, wie sie den Kunden mit ihren Angeboten und Inhalten optimal erreichen. Deswegen haben wir die potenziellen Reisenden gefragt, wovon sie sich bei der Reisezielwahl bevorzugt inspirieren lassen. Die Anforderungen sind sehr klar: Bei den Inhalten steht der Wunsch im Vordergrund, Eindrücke zu erhalten wie es am Urlaubsort aussieht und was man dort machen kann. Beim Format bevorzugt man Fotos, deutlich vor Texten und Videos. In der Tonalität mag man es in erster Linie informativ und seriös. Lustige oder emotionale Inhalte sind nur für eine Minderheit wichtig.

Herr Sonntag, herzlichen Dank!

 

Über die Reiseanalyse: 3 Fakten

  • Pro Jahr mehr als 12.000 bevölkerungsrepräsentative Interviews
  • Seit 1972 jährlich
  • Nicht kommerziell – Ein Verein der Nutzer ist Träger der Untersuchung

 

Ihr Ansprechpartner

FUR – Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V.
Ulf Sonntag
Tel.:  +49 431  888 88 00
ulf.sonntag@reiseanalyse.de
www.reiseanalyse.de




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Rainer Engelhardt
Thüringer Tourismus GmbH