23. November 2016

Thüringer Freizeitwirtschaft kommt nur langsam in Schwung

Nach dem schwachen ersten Jahresdrittel 2016 (+1,2%), vermelden die Thüringer Freizeiteinrichtungen bei den Besucherzahlen in den Monaten Mai bis August erneut nur leichte Steigerungwerte (2,2%).

Bis August 2016 bewegten sich die Besucherzahlen 1,8% über dem Vorjahresniveau – und das obwohl sich die Vorgabe aus 2015 nicht allzu anspruchsvoll gestaltete. Dank des leichten Besucherwachstums belegte Thüringen im ostdeutschen Ländervergleich den zweiten Platz. Die Spitzenposition im Gesamtranking nahm Brandenburg (+7,2%) ein. Hier zählten vor allem Freizeit- und Erlebniseinrichtungen zu den Entwicklungsmotoren. Mecklenburg-Vorpommern (+1,6%), Sachsen (±0 %) und Sachsen-Anhalt (-4,4%) reihten sich hinter Thüringen ein. Für das Schlusslicht Sachsen-Anhalt zeigte sich das Vorjahr außerordentlich nachfragestark, so dass – anders als in den anderen Bundesländern – eine relativ hohe Messlatte zu überwinden war.

In Thüringen fiel die Besucherbilanz der meisten Kategorien bis Ende August positiv aus. Auch die Einrichtungen mit Besucherzuwächsen waren insgesamt in der Überzahl (54,2%). Dass das Ergebnis trotzdem nicht besser ausfiel, lag u.a. daran, dass sich mit den Museen/Ausstellungen eine besucherstarke Kategorie unter den Verlierern befindet. Ihre Entwicklung blieb nicht ohne Folgen für das Gesamtergebnis.

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Noch zum Saisonsauftakt zählten die Burgen/Schlösser zu den Verlierern. Sie holten im Zeitraum Mai bis August erheblich auf und zogen an allen anderen Katgeorien vorbei. Auch den Vergleich mit ostdeutschen Burgen/Schlössern mussten sie dabei nicht scheuen. Stadtführungen (+4,9%) und Erlebnisbäder/Thermen (+2,6%) knüpften an den guten Saisonstart und zählen auch Ende August zu den Gewinnern. Für einen Ausgleich der hohen Vorjahresverluste reichte es aber bei beiden Kategorien noch nicht. Bei Bei Museen/Ausstellungen begann das Jahr recht vielversprechend. Leider ging der Vorsprung im Zeitraum Mai bis August wieder vollständig verloren. Auch die Freilichtmuseen/ Besucherbergwerke blicken nach einem guten Jahresautakt auf ein enttäuschendes zweites Tertial zurück. Anders als in ganz Ostdeutschland rutschte ihre Bilanz in die Minuszone.

Beim Blick auf die einzelnen Monate machte sich 2016 der „Ostereffekt“ wieder deutlich bemerkbar. Ein starker März (+35,0%) glich die Verluste im April (-21,4%) nahezu vollständig aus. Gerade bei einem frühen Ostertermin gelingt dies nicht immer. In den Sommermonaten zeigte sich die Besucherentwicklung nur mäßig. Einzig ein überaus starker Juli (+10,3%) stach positiv hervor. Die Zuwächse in diesem Monat erwiesen sich als richtungsweisend für das Gesamtergebnis bis August 2016.

Sonderanalyse Erlebnisbäder/Thermen

Die Kategorie Erlebnisbäder/Thermen zeichnet sich im Vergleich zu vielen anderen Angebotsgruppen in der Freizeitwirtschaft durch eine hohe Stabilität aus. Langfristig betrachtet entwickelten sich Thüringens Erlebnisbäder/Thermen besser als die Einrichtungen in Ostdeutschland bzw. in allen erfassten Bundesländern/Regionen. Bis 2012 ging es zunächst deutlich bergauf – nicht zuletzt auch eine Folge von Investitionen. Erst 2015 fielen die Besucherzahlen nach mehreren starken Vorjahren wieder etwas ab. Letztendlich lagen die Veränderungsraten der Thüringer Erlebnisbäder/Thermen  jedoch durchgängig über dem Durchschnitt. Im Detail entwickelten sich die Besucherzahlen der thüringischen Anbieter seit 2010 recht  unterschiedlich. Gewinner und Verlierer hielten sich exakt die Waage. Auch stagnierende Besucherzahlen einzelner Bäder waren zu beobachten.

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Das Sparkassen-Tourismusbarometer beobachtet seit vielen Jahren die Besucherentwicklung tourismusrelevanter Freizeit- und Kultureinrichtungen und Angebote (sog. „Wetterstationen“). 292 Wetterstationen liefern hierzu in Ostdeutschland ihre Besucherzahlen zu (in Thüringen: 51). Insgesamt werden 16 unterschiedliche Einrichtungstypen ausgewertet (Ausflugsschiffe/Fähren, Bergbahnen, Besucherführungen, Burgen/Schlösser, Denkmäler/historische Bauwerke, Erlebnisbäder/Thermen, Freilichtmuseen/Besucherbergwerke, Freizeit-/Erlebniseinrichtungen, Kirchen, Landschaftsattraktionen, Museen/Ausstellungen, Naturinfozentren, Private Eisenbahnen, Stadtführungen, Theater, Zoos/Tierparks). Aus Datenschutzgründen werden für Thüringen nur fünf Typen separat ausgewiesen.
 
Wissenschaftliche Beratung:
 
dwif-Consulting GmbH
Markus Seibold, Sebastian Geiger
Tel. +49 89 237028919



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