10. August 2016

Besucherzahlen der Thüringer Freizeiteinrichtungen steigen, aber…

…lagen nach den ersten vier Monaten 2016 insgesamt nur 1,2% über dem Vorjahresniveau.  Im Vergleich zu allen anderen ostdeutschen Bundesländern – allen voran Mecklenburg-Vorpommern (+3,7 %) – ein geringes Wachstum (Ostdeutschland: +2,1 %). Dabei war der Saisonauftakt 2015 bereits mit hohen Einbußen verbunden. Insofern lag die Messlatte nicht allzu hoch. Ein klarer Besucheranstieg wäre daher durchaus im Bereich des Machbaren gewesen.

Wetterstationen Entw

Trotz des vergleichsweise geringen Anstiegs fiel die Besucher­­bilanz der meisten Kategorien positiv aus. Auch die Einrichtungen mit Besucherzuwächsen waren insgesamt in der Überzahl (62,7%). Die großen Gewinner in Thüringen sind Museen/Ausstellungen (+8,0%). Vor allem durch Veranstaltungen in der Osterzeit konnte die Konkurrenz in Ostdeutschland weit in den Schatten gestellt werden. Stadtführungen und Erlebnisbäder/Thermen lockten ebenfalls mehr Besucher an. Nichtsdestotrotz blieben die Stadtführun­gen aber 3,6 Prozentpunkte hinter den ostdeutschen Mitbe­werbern zurück. Während Freilichtmuseen/Besucher­­bergwerke immerhin ein kleines Wachstum erzielten, sahen sich die Burgen/Schlösser im Freistaat mit Verlusten konfrontiert. Gerade dieses Segment wuchs allerdings in ganz Ostdeutschland (+21,3 %) überaus dynamisch. Neben heraus­ragenden Sonderausstellungen wirkte sich u.a. auch der Abschluss von umfangreichen Baumaßnahmen positiv aus. Freizeit-/Erlebniseinrichtungen sowie Zoos/Tierparks in Thüringen mussten hingegen empfindliche Verluste verkraften. Aus Datenschutzgründen können diese Kategorien derzeit nicht separat ausgewiesen werden. Ihre Entwicklung findet sich aber dennoch in der Gesamtbilanz Thüringens wieder.

Ostergeschäft sorgt für Besucherandrang im März

Nachdem das Jahr mit leichten Verlusten im Januar startete, bescherte der milde Februar den Einrichtungen ein Plus von 7,7%. Dank der Osterfeiertage setzte sich der positive Trend im März fort (+36,3%). Im April brachen die Zahlen dagegen spürbar ein (-21,9 %). Absolut gesehen entsprachen die Verluste im April ungefähr den Zuwächsen im März. Dementsprechend ist es den vielen Gästen im Februar zu verdanken, dass die Bilanz insgesamt positiv ausfiel.

Sonderanalyse Stadtführungen

Seit einigen Jahren ist die Entwicklung der Stadtführungen von einem kontinuierlichen Abwärtstrend gekennzeichnet. Während sich die Rückgänge seit 2010 in allen erfassten Bundesländern/Regionen (Indexpunkte 2015: 96,9) noch in Grenzen hielten, stellt sich die Situation der Anbieter in Ostdeutschland und Thüringen heute deutlich schlechter dar (Indexpunkte 2015: 86,0 bzw. 77,9).

Stadtführungen Entw

Die Situation in Thüringen ist jedoch erklärugsbedürftig. Vor allem kleinere Städte (mit verhältnismäßig geringem Anteil am Gesamtvolumen) wuchsen überdurchschnittlich stark, während Verluste in größeren Städten das Gesamt­ergebnis negativ beeinflussten. Gerade dort hat sich die Wettbewerbssituation in den letzten Jahren allerdings auch stark gewandelt. Zunehmend treten private Anbieter in den Markt ein und gewinnen stetig Anteile. Der Gast kann aus einer breiten Angebotspalette themen- und zielgruppenspezifischer Führungen auswählen: klassische Rundgänge, Kostümführungen, kulinarische Erkundungstouren, Comedyführungen, Sight­jogging usw. Hinzu kommen digitale Innovationen (z. B. Apps, QR-Codes etc.), die den Besuchern mehr und mehr eine Erkundung der Städte auf eigene Faust ermöglichen. Gerade diese Angebote kommen dem wachsenden Bedürfnis nach mehr Individualität entgegen. Die zunehmende Erlebnisorientierung macht folglich auch vor den Stadtführungen nicht Halt. Von einem allgemein schwindenden Interesse kann aber nicht die Rede sein. Die Besucherströme verteilen sich schlichtweg anders.

Das Sparkassen-Tourismusbarometer beobachtet seit vielen Jahren die Besucherentwicklung tourismusrelevanter Freizeit- und Kultureinrichtungen und Angebote (sog. „Wetterstationen“). 293 Wetterstationen liefern hierzu in Ostdeutschland ihre Besucherzahlen zu (in Thüringen: 52). Insgesamt werden 16 unterschiedliche Einrichtungstypen ausgewertet (Ausflugsschiffe/ Fähren, Bergbahnen, Besucherführungen, Burgen/Schlösser, Denkmäler/historische Bauwerke, Erlebnisbäder/Thermen, Freilichtmuseen/Besucherbergwerke, Freizeit-/Erlebniseinrichtungen, Kirchen, Landschaftsattraktionen, Museen/Ausstellungen, Naturinfozentren, Private Eisenbahnen, Stadtführungen, Theater, Zoos/Tierparks). Aus Datenschutzgründen werden für Thüringen nur fünf Typen separat ausgewiesen.

 
Wissenschaftliche Beratung:
 
dwif-Consulting GmbH
Markus Seibold, Sebastian Geiger
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Rainer Engelhardt
Thüringer Tourismus GmbH